EINE SPACHTELKISTE FÜR UNTERWEGS - EIN INTERVIEW VON MARIA STENZEL - STADT BRAUNSCHWEIG

Sascha Matuschak liebt es, unterwegs zu sein. Ob reisen, zum Festival oder einfach mal nach Feierabend raus. Raus aus der Stadtwohnung, rein in die Natur. Und Sascha kocht gern. Auch auf Reisen, auf Festivals und in der Natur. Die Erinnerungen an seine ersten Festivals sind Erinnerungen, wie er mit Freunden auf dem Boden sitzt, in der Mitte ein Campingkocher. Ganz unkompliziert und trotzdem lecker. Diese ursprüngliche Form hat er schätzen gelernt, aus Festivals sind Urlaube im Zelt geworden. Aus Urlauben auch kürzere Trips: Nach Feierabend los, eine Nacht im Zelt, anschließend wieder nach Hause.

 

 

Camping, so erzählt es Sascha, sei reduziert aufs Wesentliche und schaffe eine Verbindung zur Natur. Aber, das gibt der 42-jährige Pfleger schmunzelnd zu, mit dem Alter ist das Kochen mit wackeligem Campingkocher auf dem Boden anstrengend geworden. Hinzu kam, dass die Spontanität oft unter dem Alltag litt: Bevor es zum Camping losgehen konnte, musste gepackt werden. Wo war nochmal der Campingkocher? Wo die Teller? Das Zusammensuchen der Campingausrüstung habe oft so viel Zeit in Anspruch genommen, dass ein kurzes Mikroabenteuer sich nicht mehr lohnte. Für diese Problem hat Sascha eine Lösung gesucht und gebaut: die Spachtelkiste.

Robust, schön und praktisch. In der Spachtelkiste ist Platz für alles, was man beim Kochen im Freien benötigt. Foto: Spachtelkiste

 

Die Spachtelkiste

„In meiner Spachtelkiste kann ich alles verstauen, was ich zum Kochen im Freien brauche“, erzählt mir Sascha bei unserem Gespräch. „In meiner Kiste habe ich neben dem Kocher, Besteck und Geschirr auch immer Wasser, eine Packung Nudeln und Soße. Damit kann ich im Nu das Lieblingsessen meiner Tochter zaubern und es ihr irgendwo am Feldrand servieren statt am Küchentisch. Wie cool ist das?“

 

Die Spachtelkiste ist eine Aluminiumbox, die mit einer Ablage aus robustem Buchenholz aufgeteilt ist. Unten kann auf 35 Litern Stauvolumen alles untergebracht werden, was man zum Kochen braucht. Darüber befindet sich die Ablagefläche mit drei Gewürzgläsern, einem eingelassenen Besteckhalter, dem abnehmbaren Deckel aus Buchenholz, der auch als Brettchen genutzt werden kann, eine Ablagefläche aus Holz, die an die Kiste geklemmt werden kann, der Campingkocher sowie ein Kochlicht.

 

 

Durch das Zusammenspiel von Aluminium und Holz wirkt die Box edel und trotzdem robust. „Das Auge isst ja auch mit.“ Sascha erklärt, dass er beim Zusammenstellen der Kiste vor allem auf nachhaltige Materialien geachtet habe. „Die Gewürzgläser hätte ich auch aus Plastik nehmen können, mir war es aber wichtig, dass alles in der Kiste zusammenpasst und nachhaltig ist. Deshalb das Holz und die Gewürzgläser aus Glas. Neben der Funktionalität ist mir auch eine natürliche, warme Haptik wichtig.“ Die Kiste ist gut durchdacht, das merke ich während meines Gesprächs mit Sascha. Sogar an ein Kochlicht hat er gedacht: „Das Licht ist dimmbar und kann abgenommen werden. Ich sage dazu immer das 3K-Licht: Kochen, Klo und Kuscheln. Zum Kochen braucht man viel Licht, wenn man die Sanitäranlagen aufsucht muss es mitnehmbar sein und nach dem Essen reicht ein romantisches Licht.“

Gut durchdacht: Im unteren Teil der Spachtelkiste gibt es 35 Liter Stauvolumen, auf der Ablage finden Campingkocher, Besteck, Gewürze und Arbeitsbrettchen Platz. Foto: Spachtelkiste

 

Individuelle Handarbeit mit freundlicher Unterstützung

Die Spachtelkisten packt Sascha nach seiner Haupterwerbsarbeit in einer Garage. „Ich bin zwar handwerklich nicht ganz ungeschickt, aber um eine so hochwertige Kiste zu bauen, habe ich mir Hilfe von einem Freund geholt. André macht für mich die Holzarbeiten, ich baue die Kisten dann komplett zusammen.“ Die einzelnen Kisten sind mit Nummern versehen, so können die Kund:innen nachvollziehen, zu welcher Charge die Kiste gehört. In die liebevoll verpackte Kiste legt Sascha noch ein paar persönliche Worte und als Extra ein Aufsatzkreuz für den Campingkocher, damit auch der Espressokocher Platz auf dem Kocher findet. „Die Spachtelkiste darf nie den Punkt erreichen, dass die Arbeit daran Druck aufbaut“, erzählt Sascha. „Natürlich muss es wirtschaftlich sein, aber ich will mit der Kiste nicht reich werden. Für mich ist das meine kreative Freiheit. Ich freue mich, wenn ich mit der Arbeit an der Spachtelkiste irgendwann mal meinen Hauptjob reduzieren kann, aber in erster Linie will ich Freude und das Gefühl von Freiheit weitergeben. Mir geht es nicht um maximalen Absatz. Ich mache das für Leute, die Bock auf Camping, Festival und Kochen im Freien haben.“

 

 

Wie wichtig ihm der persönliche Draht zu seinen Kund:innen ist, wird deutlich, als er mir von den verschiedenen Einsatzgebieten der erzählt. Da ist der Mann, der die Kiste in seinem Lastenrad dabei hat, um frischen Kaffee kochen zu können. Oder das Ehepaar, das die Kiste auf Kutschfahrten mitnimmt. Und nutzt, wenn der Mann auf dem Feld arbeitet. Dann kommt die Frau vorbei und sie essen gemeinsam zu Mittag. Wie romantisch …

Foto: Sascha Matuschak - Spachtelkiste

Wie allen erfolgreichen Start-Ups hat auch Sascha seine Werkstatt in einer Garage untergebracht. Foto: Spachtelkiste


Solch Feedback ist Sascha unglaublich wichtig. Auch, um seine Spachtelkiste immer weiter zu verbessern. Vor allem aber freut es ihn, dass er mit der Spachtelkiste zu kleinen und großen Abenteuern beigetragen hat. Und noch etwas ist ihm wichtig, der Dank für die viele Unterstützung, die ihm widerfahren ist. Ohne seine Partnerin, so sagt er, hätte er den Schritt nicht gewagt, ein Nebengewerbe anzumelden. Auch Freunde haben ihm gut zugeredet. Das Logo hat ein befreundeter Tätowierer gestaltet, bei der Homepage hat ihm ein Freund des Vaters geholfen. Und wenn zu viele Bestellungen reinkommen, dann steht der ein oder andere neben ihm und packt die Kisten zusammen.

 

Nicht nur die Hilfe von Familie und Freunden, auch für die Unterstützung in der Camping-Community sei er dankbar. „Über Instagram konnte ich Reichweite aufbauen. Darüber habe ich dann die richtigen Leute kennengelernt, die mein Produkt toll finden, Erfahrung haben und mich unterstützt haben, indem sie mich zum Beispiel auf eine Outdoor-Messe mitgenommen haben.“

 

Perfekt für unterwegs: Die Kiste ist standsicher, so dass es sich auch draußen bequem kochen lässt. Foto: Henning Kragl

 

Und wie geht es weiter? Pläne hat Sascha viele. Aktuell sei er auf der Suche nach jemanden, mit dem er eine kleinere Version seiner Spachtelkiste bauen kann. Eine Kiste für ein Studenten-Budget. Außerdem plant er, im Sommer mit einem Dachzeltverleih zu starten. Man darf also gespannt sein.

 

Informationen

 

Die Spachtelkiste vertreibt Sascha über seinen Onlineshop auf der Internetseite www.spachtelkiste.de. Weil alles Handarbeit ist, kann die Lieferzeit rund sechs Wochen betragen.

Eine Idee von Urlaub 2021: Mit Auto, Dachzelt und Spachtelkiste unterwegs. Foto: Spachtelkiste

 

Titelbild: Henning Kragl

Text: Maria Stenzel - Stadt Braunschweig

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